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Sehen

Der Verlust des Sehens ist zugleich der Abschied von Lebensqualität. Er kann abrupt oder schleichend vonstattengehen. Er betrifft sowohl den erkrankten Menschen als auch seine Angehörigen sowie das gesamte weitere Umfeld.

Es sind diese Schreckmomente, wenn der betroffene Mensch das erste Mal etwas übersieht, vor einen Gegenstand läuft, etwas Zugeworfenes nicht fangen kann, orientierungslos ist, sich nicht im Spiegel erkennt oder die Augen öffnet – und nichts zu sehen ist.

Es sind diese Schreckmomente für Mit-Betroffene, wenn sich der geliebte Mensch plötzlich verletzt, vom Bürgersteig abrutscht, nicht zurückwinkt, eine Farbe falsch beschreibt oder das Lächeln oder die Ironie nicht erwidert bzw. missdeutet.

Wenn die Mama nichts wiederfindet oder der Papa die falsche Spielkarte legt oder der Bruder der Schwester unabsichtlich den Ball ins Gesicht wirft, dann geben sich Trauer, Wut, Hilflosigkeit und Unverständnis die Klinke in die Hand.

Wir kennen den Prozess der Erblindung in unserer Partnerschaft sehr genau und haben nicht nur ‚eine Ahnung‘ oder ‚eine Vorstellung‘ zu dieser Thematik, sondern verfügen über eigene Erfahrungen.

Nichtsdestotrotz ist das Sehen, selbst bei gleicher Diagnose, immer im Verlauf anders und in der Symptomatik unterschiedlich – genauso wie der individuelle Umgang mit der Erblindung. Sie ist noch nicht so weit wie er; er empfindet es anders als sie. Und dann überfordern Themen, die man am besten gar nicht anspricht, wie Blindenanstecker, Blindenbinde, Blindenstock, Bildschirmlesegerät, Verrentung usw.

Wir kennen das. Von anderen Paaren. Von anderen Familien. Von uns selbst. Wir beraten Sie gern, wenn es z. B. um Ihre Akzeptanz, Trauer, Wut, Hilflosigkeit, Ungerechtigkeit, Rücksichtnahme, aber auch Chancen, Möglichkeiten und Umgang mit der Erkrankung geht.

Workshops

Wir bieten Workshops an, zum Beispiel:

  • „Und wo bleibe ich?“ – Umgang mit einer Erkrankung, die mir nicht gehört
  • „Hindernislauf“ – Trotz Erblindung in der Spur bleiben und weiterlaufen
  • „Ich sehe was, was Du nicht siehst“ – Akzeptanzprozesse: individuell, partnerschaftlich, familiär

Sie haben einen anderen Workshopwunsch?
Bitte sprechen Sie uns an – wir finden bestimmt zueinander! Als Therapeuten und Lehrende können wir den Workshop mit den Bedürfnissen seheingeschränkter Menschen denken.